8. Ahornblättrige Platane

Deutscher Name:

Ahornblättrige Platane

Botanischer Name:

Platanus x hispanica Münchh. 1770

Trivialnamen:  

Gewöhnliche Platane, Bastard-Platane

Fremdländische Namen:

engl. Sycamore, London Plane

Synonym:         

Platanus acerifolia, (ahornblättrig)

Familie:

Platanaceae, Platanengewächse

Standort im Park:    

N 51.42909°, E 6.76677°

Etymologie: 

Platanus aus dem grch. platys = dick, breit (bezogen auf Krone und Stamm)                                 

Entstehung:

Um 1650 durch spontane Kreuzung zwischen Morgenländischer und Abendländischer Platane (Platanus orientalis und Platanus occidentalis) entstanden. Wann und wo dies geschah, ist in der Fachwelt umstritten. Nach einer Quelle sollen sich die beiden Platanen-Arten 1670 im botanischen Garten in Oxford gekreuzt haben, nach einer anderen Quelle um 1650 in Spanien und Südfrankreich.

Heimat:

Die Morgenländische Platane überlebte in kleinen Arealen auf dem Balkan. Die Abendländische Platane gelangte 1640 durch die Entdeckung Amerikas nach Europa. Ausgestattet mit den optimalen genetischen Merkmalen beider Elternteile wurde die Ahornblättrige Platane intensiv kultiviert und in weiten Teilen Europas und Nordamerikas als Park- und Stadtbaum angepflanzt.

Lebensraum:

Die Eltern (Platanus orientalis L. und Platanus occidentalis L.) der Gewöhnlichen Platane (Platanus x hispanica Münchh.) sind keine Waldbäume, sondern lichtbedürftige Gehölze an sehr feuchten, humusreichen Standorten wie Flussufern.

Verwendung:

Gerne wird die Ahornblättrige Platane als schattenspendender Park-, Allee- und Straßenbaum angepflanzt. Sie ist neben der Linde einer der am meisten verwendeten Bäume im innerstädtischen Bereich. Das helle Splintholz, mit dem rötlichen Kernholz lässt sich gut bearbeiten und wird gerne als Furnier- und Drechslerholz verwendet, vorrangig dient es aber als Brennholz. In Amerika wird die Platane auch für medizinische Zwecke eingesetzt, z.B. gegen Erkältungen.

 

Biologie:

Habitus:

Äußerst schnellwüchsiger, kurzstämmiger, 25m bis 30m Meter hoher Baum, mit starken tief ansetzenden Hauptästen.                

Baumkrone:                     

Bei älteren Exemplaren hoch und ausladend, breitkronig, die unteren Äste leicht hängend.

Wurzel:

Herzwurzelsystem mit starken weitreichenden Hauptwurzeln. Sehr dichte Oberflächenwurzeln mit hoher Wurzelenergie (Anhebung von Wegeplatten).

Rinde/Borke:                                                  

Die Rinde der jungen Triebe ist hellbraun bis grün-oliv. Mit zunehmendem Alter grau bis braun.

In unregelmäßigen Abständen blättert die Borke in dünnen Platten ab, die jüngere Borke darunter ist gelb bis grau-oliv. Das Abblättern der Borke mit der markanten Scheckung im Stamm- und Astbereich ist das charakteristischste Merkmal der Platane.

Blätter:

Handförmig, in 3-5 ungleich große, dreieckige Lappen geteilt, 15 bis 20 cm lang und fast ebenso breit. Oberhalb glänzend tiefgrün, ziemlich derb und fest. Junge Triebe und Blätter sind unterseits filzig (oder zumindest auf den Blattnerven) und in den Nervenwinkeln mit Sternhärchen besetzt. Die Blattstellung ist wechselständig. Zudem besitzt die Blattoberfläche den sogenannten Lotuseffekt, d.h. auffallende Regentropfen perlen ab und reinigen somit das Blatt von aufliegenden Staub- und Schmutzpartikeln. Der Blattstiel umfasst schützend die Knospen, welches ein weiteres markantes Merkmal darstellt.

Blüten:

Die Platane ist einhäusig, eingeschlechtlich. Meist zu zweit stehende Blütenkätzchen mit einem 6 bis 8 cm langen Stiel. Die männlichen Blüten sind grünlich gelb und klein, weibliche Blüten sind karminrot, werden windbestäubt und erscheinen mit dem Blattaustrieb. Der Blütezeitpunkt ist von April bis Mai.

Früchte: 

Sammelfrucht bis etwa 3cm groß. Kugelig, braun, meist zu zweit, in 15 bis 20 cm langen Fruchtständen hängend. Einzelfrüchte, kantig-zylindrische Nüsse, die den Samen enthalten, die Fruchtreife erfolgt im September/Oktober, sie verbleiben jedoch als sogenannte Wintersteher bis in das nächste Frühjahr am Baum. Der Zerfall der Früchte beginnt im Frühling, wobei die Einzelfrüchte mit winzigen Haaren umgeben sind. Diese Haare können Hustenreize hervorrufen.

Alter:

Das Alter aller Ahornblättrigen Platanen ist jünger als 500 Jahre und wird bei optimalen Standortverhältnissen 150 bis 200 Jahre alt. Die "Morgenländische Platane" kann bis zu 1000 Jahre alt werden.

Eigenschaften:

Frosthart, trocken-warmes und abgasreiches Stadtklima vertragend, wärmeliebend. Die Ahornblättrige Platane besitzt ein hohes Ausschlagsvermögen, verträgt hervorragend Schnittmaßnahmen und ist als Formgehölz bestens geeignet. Londoner Stadtgärtner bezeichneten sie deshalb auch als „gehorsamste Baumart“. 

Besonderheiten:

Schädlinge und Krankheiten:

Die Ahornblättrige Platane wird von folgenden Krankheiten befallen. So kann sie Opfer des Platanenkrebses werden, der durch den Pilz Ceratocystis fimbriata verursacht wird. Maßnahmen zur Bekämpfung sind meist wirkungslos Seit einigen Jahren tritt bei nassen Frühjahren eine weitere Pilzerkrankung auf, die sogenannte Blattbräune, Apiognomonia veneta. Bäume verlieren dabei die befallenen Blätter und Triebspitzen. Ältere Bäume sind anfällig für die Massaria Krankheit, die durch einen Schlauchpilz entsteht. Diese Pilzerkrankung führt dazu, dass befallene Äste absterben, woraufhin das zersetzte Holz bricht. Diese Erkrankung wurde in Deutschland zum ersten Mal im Jahr 2003 nachgewiesen.

Kulturgeschichte:

In der Antike spielt die Platane eine herausragende Rolle. Bewunderung erregte die Platane schon bei Homer. Herodot bezeugte einen Platanenhain des Zeus, Theophrast und Plinius erwähnten eine Platane bei Gortyn auf Kreta, wo Zeus der Europa beigewohnt habe. Platanen erhielten den Status von heiliger Bäumen. Xerxes verliebte sich in Lydien in eine prachtvolle Platane, die er mit Goldschmuck behängte und ihr für alle Zeiten einen Pfleger bestellte. Diese Überlieferung war Gegenstand der Oper Serse von Händel, woraus das berühmte Largo entstand. Als berühmtes „Ombra mei fu“ gehört es zum Repertoire von unzähligen SängerInnen.

Ethnobotanik:

Die Samen werden gerne als Juckpulver verwendet. Am Niederrhein bezeichnet man die Platane als Kleiderbaum, weil er die Borke abwirft, also sein Kleid wechselt.

 

Quellen:

MB Baumdienste GmbH(o.J.), in: Massaria-Krankheit, URL: http://www.mb-baumdienste.de (Stand: 29.06.2014).

Baumschule New Garden(o.J.), in: Platanus acerifolia / Ahornblättrige Platane, URL: http://www.baumschule-newgarden.de (Stand: 29.06.2014).