11. Chiletanne

Deutscher Name:

Chilenische Araukarie

Botanischer Name:

Araucaria araucana (Molina) Koch

Trivialnamen:

Andentanne, Schmucktanne

Fremdländische Namen:

engl. Chile Pine,

Monkey Puzzle Tree: wegen des Kommentars eines Engländers um 1800, der meinte, diesen Baum mit seinen dolchartigen Blättern, sei selbst für einen Affen eine kaum lösbare Aufgabe (allerdings leben im natürlichen Verbreitungsgebiet gar keine Affen

Familie:

Araukariengewächse   

Standort im Park:

N 51.42952°, E 6.76820°

Etymologie:

araucanus, von span. Araucano, araukanisch, aus der Provinz Arauco südlich von Santiago; auch Sammelbezeichnung für verschiedene Indianersprachen Chiles, vor allem der Mapuche

Lebensraum:

Die Araukarie wächst im gemäßigten Klima in Höhenlagen von 600 bis 1700 Metern in Hügellandschaften einschließlich vulkanischer Hänge. Die Niederschläge liegen zwischen 1000 und 4500 mm pro Jahr. Die Extremtemperaturen liegen bei -20° C und +30° C. In Europa ist sie nur in südlicheren bzw. milderen Gebieten winterfest.

Verbreitung:

Die Chilenische Araukarie stammt aus den Anden in Chile und Argentinien und ist im natürlichen Areal aktuell äußerst gefährdet. Ursache ist die mangelnde Naturverjüngung über Samen. Die Baumart ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen besonders geschützt. Samen sowie Pflanzen aus natürlichen Standorten dürfen nicht aus- oder eingeführt werden.

Im Jahre 1795 wurde die Chilenische Araukarie vom Biologen und Mediziner A. Menzies in Europa bekannt gemacht. Als Schiffsarzt der Vancouver-Expedition gelang ihm auf dem Schiff die Anzucht aus Samen, welche die Expeditionsteilnehmer von südamerikanischen Indianern als Nahrung mitbekommen hatten. Etwa 50 Jahre später gelangten die ersten Züchtungsversuche aus Samen im Kew Garden in London, wo der Baum die durch den Golfstrom beeinflussten mäßig harten Winter Englands gut überlebte.

Verwendung:

Wegen des exotischen Erscheinungsbildes wird die Araukarie gerne als Zierbaum in Parks und Gärten angepflanzt. Das Holz ist sehr hochwertig und wird seit vielen Jahren zum Boots-, Haus- und Brückenbau verwendet.

Gefährdung:

Dennoch ist die Chiletanne aktuell äußerst gefährdet und das Abholzen für Nutzholzgewinnung strengstens verboten. In Chile gibt es ganze Naturparks, die nur von diesem Baum besiedelt sind. Außerhalb dieser Schutzgebiete soll der Baum angeblich weiter für Nutzholz geschlagen werden.


Biologie:

Habitus:

Die Araukarie ist ein wintergrüner, pyramidal wachsender Baum mit durchgehender Hauptachse. Mit zunehmendem Alter bildet sich eine schirmförmige Krone aus. Am Heimatstandort erreicht die Araukarie Höhen zwischen 30 und 40 Metern und ein Alter von 1300 bis 2000 Jahren.

Wurzel:

Der Baum bildet mehrere tief gehende Wurzeln aus.

Stamm:

Der Stamm ist stets gerade und zylindrisch und erreicht Durchmesser von 1 bis 2 Meter.

Rinde/Borke:

Die Rinde wird 10 bis 14 cm dick. Die ältere, graubraune Schuppenborke macht bis zu 25% des Stammvolumens aus. Schuppenförmige Blattbasen verbleiben lange am Stamm. Die Borke ist äußerst hitzebeständig, Feuer und Hitze heißer Asche von Vulkanausbrüchen übersteht sie relativ gut.

Astwerk:

Äste sind in regelmäßigen Quirlen angeordnet, welche in der Jugendphase im unteren Bereich oft bis zum Boden schleppenförmig herabhängen.

Knospen:

Kaum sichtbar, unter spitzen Blättern verborgen

Blätter:

Schraubig angeordnete, dunkelgrüne, sehr feste, dreieckige Blätter mit scharfen Spitzen. Die Zweige werden von den Blättern dachziegelartig bedeckt und haben eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren.

Blüten:

Die Araukarie ist zweihäusig. Männliche Blütenzapfen sind zapfenförmig und dunkelbraun, mit einer Länge von 8 bis 12 cm und einer Breite von 4 bis 5 cm. Sie verbleiben nach dem Pollenflug noch monatelang am Baum. Sie besitzen spiralig angeordnete, sich dachziegelartig überlappende, dornige Schuppen.

Die weiblichen Blütenzapfen sind dagegen rundlich und werde „cabezas“ (spanisch für Köpfe) genannt. Sie werden 10 bis 18 cm lang und haben einen Durchmesser von 15 bis 20 cm. Zunächst sind sie grün mit goldgelben Dornen und werden im Reifungsprozess später zu braunen Zapfen. Noch am Baum brechen diese auf und entlassen dann bis zu 200 rotbraune, ungeflügelte Samen. 

Früchte/Samen:

Die flügellosen Samen, die sogenannten „piñones“, entwickeln sich nach Windbestäubung in einem Zyklus von 16 bis 18 Monaten. Sie haben einen länglichen Umriss, sind 4 bis 5 cm lang und bis 1,5 cm breit. Araukarien-Samen sind sehr kohlenhydratreich und für Menschen wie Tiere (Weidevieh, Nager, Vögel) genießbar.

Eigenschaften:

Nicht in allen Regionen zuverlässig frosthart, hitzeverträglich, windfest, feuchtigkeitsliebend.

Schädlinge und Krankheiten:

Araukarien sind hoch anfällig gegen einen Rostpilz. Bei zu hohem Kalkgehalt im Boden kommt es zu Chlorose-Erscheinungen.

´

Besonderheiten:

Die Besonderheit der Borke ist, dass sie äußerst hitzebeständig sein muss, um Vulkanausbrüche in den Anden überleben zu können. Feuer und Hitze heißer Asche können der Borke nur wenig anhaben.

Dieser Baum ist ein Relikt aus dem Jura-Erdzeitalter (vor 180 Millionen Jahren). Er ist verwandt mit unserer Zimmertanne (Araucaria heterophylla).

Kulturgeschichte:

Die Araukarie wurde aufgrund des starken Rückganges der Wälder zum Naturdenkmal Chiles ausgerufen. 1987 wurde dieser Status aufgehoben, jedoch im Jahre 1990 bereits wieder in Kraft gesetzt. Es ist ein Baum von hoher historischer und ethnischer Bedeutung.

Ethnobotanik:

Die einheimischen Indiostämme, insbesondere der Mapuchestamm der Pehuenchen, dessen Name sich vom Namen des Baumes herleitet, haben durch Ernte und Lagerung der „piñones“, als ihrem praktisch alleinigen Nahrungsmittel die Winter in den Bergen überlebt. Gekocht kann ihnen die Schale abgezogen werden, ähnlich wie bei einer Mandel; sie schmecken nach einer Mischung aus Kartoffel, Mandel und Erdnuss. Bedürftige Familien bekommen im Zuge der staatlichen Unterstützung ein Stück Land mit Araukarien zugewiesen und können somit von der Ernte selbst leben und überschüssige Kerne verkaufen. Die Ernte erfolgt meist im März, wobei die Fruchtzapfen mit Lassos vom Baum geholt werden.

 

Quellen:

Hauenstein AG (o. J.), in: Pflanzen für schönere Gärten, URL: http://www.hauenstein-rafz.ch (Stand: 24.06.2014).

Mair, Wilhelm (2012), in:  Chilenische Araukarie. Meraner Stadtanzeiger, URL: http://www.meraner.eu (Stand: 24.06.2014).

Zanger, Peter Ulrich (2013), in: Die Araucarien Weilmünsters, URL: http://araucaria-weilmuenster.blogspot.de (Stand: 24.06.2014).