3. Ginkgo

Deutscher Name:

Ginkgo-Baum, Fächertanne

Botanischer Name:

Ginkgo biloba

Trivialnamen:  

Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, Silberaprikosenfrucht

Fremdländische Namen:

Maidenhairtree

Synonym:

Salisburia adiantifolia Sm

Familie:

Ginkgoaceae, Ginkgogewächse

Standort im Park:

N 51.43003°,  E 6.76534°

Etymologie:

Ginkgo chinesisch von yingxing-guo und japanisch von gin-kyo = Silberfrucht abgeleitet

biloba aus lat. “bi“ = zweifach

 

und grch. „lobos“ = Lappen gebildet, wegen der zumeist zweilappigen Blattspreite

Entstehung:

Während des Mesozoikums, dem Erdmittelalter vor 250 bis 60 Millionen Jahren. Der Ginkgo ist monotypisch und die einzige noch lebende Art dieser Gattung. Ginkgo gilt als ein lebendes Fossil.

Lebensraum:

Ursprüngliches Verbreitungsgebiet sind Berg-Mischwälder mit mäßig feuchtem Klima und nährstoffreichen, sauren bis basischen Böden.

Heimat:

Koreanische Halbinsel sowie China und Japan. Natürliche Vorkommen nur noch in Südost-China. Die Art kam vor über einem Jahrtausend nach Japan und wurde dort als hochverehrter Baum kultiviert. Vor 1730 wurde sie von Engelbert Kaempfer über die Niederlande nach Europa eingeführt.

Verwendung:

In China wird der Ginkgo als Fruchtbaum und Heilpflanze angebaut. In der Medizin werden die Blätter zu Spezialextrakten verarbeitet. Diese werden dann zur Behandlung von Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schwindel, Ohrensausen und Kopfschmerzen sowie Durchblutungsstörungen eingesetzt. Die Aufzucht und Vermehrung erfordert Geduld, da bis zur Keimung mehr als zwei Jahre vergehen können und dies auch nur bei ca. 30 Prozent der Stecklinge von Erfolg gekrönt ist. Warum er trotzdem angepflanzt wird, hat der Ginkgo seiner Robustheit, seiner Resistenz gegen Schädlingsbefall und seiner Genügsamkeit zu verdanken. Hinzu kommt, dass dieser Baum in vielen Kulturen einen symbolischen Wert besitzt.

In Europa findet der Ginkgo vor allem als Zierbaum in Parkanlagen, aber auch als Straßenbaum Verwendung. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften wie Frosthärte, Hitzeverträglich, Krankheits- und Schädlingsfrei und Immissionsresistent eignet er sich vor allem im innerstädtischen Bereich. 

Biologie:

Habitus:

Höhe: bis zu 40m

Form: Umriss vielgestaltig, zunächst pyramidenförmig, mit zunehmendem Alter jedoch ausladende, mächtige Baumkrone. Seine Äste sind oftmals unregelmäßig und wenig verzweigt.

Wurzel:

Der Ginkgo besitzt ein Herzwurzelsystem mit kräftigen, tiefwachsenden Hauptwurzeln

Borke:                                                

Dunkelgrau, tief gefurcht und schwer entflammbar.

Blätter:

Die sommergrünen Blätter sind eine Besonderheit in der gesamten Pflanzenwelt. Sie sind parallelnervig, in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt und die Blattform variiert je nach der Stellung an Lang- bzw. Kurztrieben. Der Blattstiel ist 1 bis 1,5 cm lang. Ein besonderer Zierwert des Baumes ist die wunderschöne gelbe Herbstfärbung.

Blüten:

Ginkgo ist ein Windbestäuber; seine Blütezeit ist im März. Der Ginkgo ist zweihäusig, (wie einige Koniferen oder Cycadaceen) es existieren sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen, welche sich in ihren Blütenständen unterscheiden. Die Befruchtung findet zwischen August und September statt. Pollen und Eizellen werden auf verschiedenen Bäumen gebildet. Das geschieht an den Kurztrieben an der Basis von jungen Blättern, das erste Mal nach 20-35 Jahren. Er ist ein zweikeimblättriger Baum. Der weibliche Baum muss in der Nähe eines männlichen Baumes wachsen, um befruchtet zu werden.

Früchte:

Die Ginkgofrüchte haben eine Größe von 20-30 mal 16-24 mm und ähneln in ihrer Erscheinung den Mirabellen. Die Samenschale ist bis zu ihrer Reife im Herbst grün und wird bei Kälteeinbruch gelb. Wenn sie voll ausgereift ist, entwickelt die Schale zudem einen unangenehmen Geruch nach ranziger Butter.

Alter:

Keine Seltenheit ist eine Lebensdauer von 1000 Jahren, jedoch sind einige Exemplare noch weitaus älter.

Besonderheiten:

Der Ginkgo-Baum und der Palmfarm (Cycas) sind die einzigen noch lebenden Samenpflanzen (Spermatophyten), die bewegliche oder frei schwimmende "Spermien" ausbilden. Der Ginkgo hat eine einzigartige Stellung im Pflanzenreich, weil er das einzige noch lebende Bindeglied zwischen niederen und höheren Pflanzen, zwischen Farnen und Koniferen, ist.

Kreativinhalt:

Das älteste Gechöpf der Erde

Die Japaner nennen ihn die "silberne Aprikose", die Briten vergleichen sein Gewand mit dem Haar der Frauen und die Franzosen tauften ihn einst den Tausend-Taler-Baum. Die Wissenschaft bezeichnet ihn heute als lebendes Fossil und die Mythologie seit jeher als Weltenbaum; Symbol kosmischer Ordnung und Bindeglied zu den Welten, die jenseits der unsrigen liegen.

Und tatsächlich umweht die Geschichte dieses Geschöpfes zurecht der Hauch des Altertümlichen und Geheimnisvollen, möchte man doch sein Verweilen auf  Erden ermessen, so muss einem die Lebensdauer Methusalems zum Vergleich wie die einer Eintagsfliege vorkommen.

Heutige Erkenntnisse und Hinweise lassen sogar darauf schließen, dass erste Ginkgo-Pflanzen bereits vor 290 Millionen Jahren existiert haben. Da die anderen der ursprünglichen 17 Gattungen bereits ausgestorben sind, ist Ginkgo biloba nicht nur sehr alt, sondern das älteste der Pflanzenwelt bekannte lebende Fossil.

In der Pflanzenwelt einzigartig

Doch ist es nicht sein Alter allein, warum er immer wieder Erwähnung in Kunst und Literatur findet und als Heiligtum seit über 1000 Jahren die Tempelgärten in Ost-Asien ziert. Es ist vielmehr seine Einzigartigkeit, die sich in der Form seiner Blätter zeigt, denn Ginkgo biloba ist weder Laub noch Nadelbaum und stellt damit seine eigene Gattung dar -eine Stellung die im ganzen Pflanzenreich ihresgleichen sucht.

Es war wohl auch diese Einzigartigkeit welche die Menschen im alten China so verehrten, denn die Blätter sollen hier sogar zeitweise als anerkanntes Zahlungsmittel gedient haben.

Im Wesen unerschütterlich

Gilt nun sein Blatt und seine Herkunft als Quelle der Inspiration, so ist es die Unerschütterlichkeit des Baumes selbst, welche die Mythenbildung weiter schürt und in Legenden, sowie in zahlreichen Volkserzählungen immer wieder von seiner Wunder verheißenden Kraft die Rede ist und so erbitten die Menschen bis heute seinen Segen, für Fruchtbarkeit und eine ertragreiche Ernte, unter seiner Krone.

Einer alten Geschichte nach, waren es einst die im Garten eines Klosters stehenden heiligen Bäume, die dessen völlige Vernichtung abwendeten.Während an diesem Tag ganze Landstriche von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurden und die umliegend Bauten des nahe liegenden Dorfes der Zerstörung anheim vielen, so heißt es, dass es die Lebenskraft des Ginkgo-Hains war, welche den Tempel diese Katastrophe unbeschadet überstehen lies.

Symbol der Hoffnung

Der größte Beweis für die Unverwüstlichkeit des Ginkgo  und dessen  Bedeutung für den Menschen, ist jedoch der Tempelbaum von Hosen-ji in Hiroschima in Japan.

Als die Stadt am 6. August 1945 von einer Atombombe verwüstet wurde, standen Kloster und Baum im Epizentrum der Explosion. Der alte Riese ging zwar in Flammen auf, jedoch im selben Jahr trieb der Baum erneut aus und lebte weiter.

So wurde dieser Ginkgo auch hier zum Symbol der Hoffnung für die Überlebenden und ist es bis heute, denn er steht dort noch immer und summt das Lied der Erde...