12. Schwarzer Maulbeerbaum

Deutscher Name:

Schwarzer Maulbeerbaum, Schwarze Maulbeere

Botanischer Name:

Morus nigra L.

Fremdländische Namen:

engl. Black Mulberry, franz. Mûrier Noir

Familie:

Moraceae, Maulbeerbaumgewächse

Standort im Park:

N 51.42970°, E 6.76756°

Etymologie:

Morus = lat. Name für Maulbeerbaum, nigra = lat. schwarz, die dunkelroten Früchte betreffend

Lebensraum:

Bevorzugte Standorte sind sonnige, warme Lagen auf sandigen, leichten und kalkhaltigen Böden.

Heimat:

Südwestasien, genaues Herkunftsgebiet nicht mehr bekannt. Seit 1500 ist der Schwarze Maulbeerbaum im warm-gemäßigten Klima Süd- und Mitteleuropas eingebürgert. Die Einbürgerung im Südosten der USA erfolgte 1548. Anpflanzungen in Deutschland vor allem in den wärmeren Weinbaugebieten.

Verwendung:

Verwendung findet er dank seiner Früchte, als beliebtes, jedoch mittlerweile selteneres Obstgehölz.   

 

Biologie:

Habitus:

Sommergrüner Kleinbaum mit einer Höhe bis maximal 15 Meter und stark hängenden Zweigen, welche sich im Laufe der späteren Entwicklung schirmartig auswachsen.

Baumkrone:                                     

Niedrig angesetzte, rundliche Krone
Durch dicht, gedrungene und kurze Zweige gekennzeichnet

Stamm:

Kurzstämmig und knorrig.

Rind/Borke:                                                     

Junge Triebe olivgrün, zunächst behaart, später verkahlend mit Lentizellen
Borke wird mit dem Alter rissig und graubraun.

Wurzel:

Fleischig und leicht zerbrechlich.

Astwerk:

Oftmals schleppenförmig abgesenkt und bis auf den Boden niederliegend.

Knospen:

Dick eiförmig bis 3mm lang und glänzend purpurbraun.

Blätter:

Sommergrün, milchsaftführend, in wechselständiger Anordnung. Die Blattspreite in einer Länge von 8 bis 12 cm ist breit eiförmig mit einer herzförmigen Basis und kurzen Spitze. Der Rand ist grob gesägt, mitunter auch gelappt. Die Blätteroberfläche ist glänzend dunkelgrün und rauh, die Unterseite heller und zuletzt nur noch entlang der Blattnerven behaart.                                                              

Blüten:

Achselständige, hängende Kätzchen; männliche Blütenstände länglich mit kurzen Stielen, die weiblichen Blüten ebenfalls kurz gestielt. Blütezeit von Mai bis Juni. Fremdbestäubung und Windbestäubung, eingeschlechtlich.

Früchte: 

Bei den bis 2,5 cm langen, brombeerartigen Früchten handelt es sich um sogenannte Scheinfrüchte. Während des Reifeprozesses wechselt die Farbe von weiß über rot bis purpurschwarz. Die Maulbeere ist sehr saftig, angenehm süß bis leicht säuerlich. Die Fruchtreife ist der Monat August.

Alter:

Je nach Standort 400 bis 500 Jahre
Einige Exemplare bis zu 1000 Jahre

Schädlinge und Krankheiten:

Die schwarze Maulbeere ist relativ frei von Schädlingen und Krankheiten. 

Besonderheiten:

Nicht nur den Vögeln, sondern auch uns Menschen dienen die Früchte des schwarzen Maulbeerbaums als Nahrungsquelle. Sie werden oft roh gegessen und eignen sich hervorragend zur Verarbeitung zu Marmelade oder Sirup. In Afghanistan werden sie auch getrocknet wie Rosinen verzehrt. Früher verarbeiteten die Griechen sie zu Maulbeerwein oder benutzten sie zum Einfärben von Wein.

Des Weiteren soll die bittere Wurzelrinde gegen Bandwürmer helfen und als Abführmittel dienen, während die Blätter Fieber, Husten und Zahnschmerzen bekämpfen sollen.

Auch das Holz hat besondere Eigenschaften, auufgrund derer es sich hervorragend zur Papierherstellung eignet. Vor allem in Asien wird der schwarze Maulbeerbaum zur Papierherstellung genutzt, aber auch für den Bau von Musikinstrumenten wie Saz, Cura und Baglama.

Symbolik:

Der Schwarze Maulbeerbaum ist eine uralte Kulturpflanze, welcher bei den Griechen ein Symbol der Klugheit war. Er galt dem Wald- und Hirtengott Pan (griechische Mythologie) geweiht.

Religion:

Der in Persien, an der Küste des Kaspischen Meeres, heimische Schwarze Maulbeerbaum wird in der Bibel zweimal erwähnt.

Im Lukasevangelium findet er im Zusammenhang mit der Macht des Glaubens Erwähnung.

„Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich in Meer! Und er würde euch gehorchen.“
Lukas 17, 5-6

Außerdem spielt er im ersten Buch der Makkabäer in Sachen Kriegsführung eine Rolle.

„Den Elefanten hielt man den Saft von Trauben und Maulbeeren vor, um sie zum Kampf zu reizen.“
1. Makkabäer 6, 34

Der Saft der Maulbeeren dürfte Rüssel und Stoßzähne blutrot eingefärbt haben, sodass die Elefanten die Gegner in Angst und Schrecken versetzten.

Mythen:

In der Mythe von Pyramus und Thisbe wird geschildert, wie aus dem Weißen Maulbeerbaum (Morus alba) der Schwarze hervorgegangen ist.

Pyramus und Thisbe sind ein babylonisches Liebespaar, welches aufgrund der Feindschaft seiner Eltern es nicht gestattet ist, sich zu sehen. Aus diesem Grund wollen sie sich nachts unter einem Weißen Maulbeerbaum treffen, um zusammen fortzugehen. Thisbe trifft allerdings früher ein und wird bei dem Baum von einer Löwin, deren Maul von der vorherigen Beute noch blutrot ist, gejagt. Die Flucht gelingt, doch Thisbes zerrissener und blutgetränkter Schleier bleibt am Baum zurück. Als Pyramus dann endlich eintrifft, findet er nur den Schleier vor und nimmt an, dass Thisbe umgebracht worden sei. Vor lauter Verzweiflung stürzt er sich bei dem Baum in sein eigenes Schwert. Sterbend wird Pyramus von Thisbe aufgefunden, die sich voller Liebe und Trauer ebenfalls in das Schwert stürzt. Das Blut der beiden Liebenden benetzt nun die Wurzeln des Baumes, sodass die bisher weißen Beeren blutrot werden. Doch schließlich können die beiden im Tode zusammen sein, denn die Eltern lassen die Asche des Paares in eine Urne füllen.

„Der Bogenschütze Yi“ ist ein chinesischer Mythos, der unter anderem davon berichtet, wie Yi im Auftrag des Herrschers Yao die zehn göttlichen Sonnen, die in einem riesigen Maulbeerbaum namens Fu Shan leben, zum Wohle der Welt umbringt.
Den ganzen Mythos findet man unter folgendem Link:
http://www.mythentor.de/osten/china11.htm

Literatur:

„The Mulberry Tree“ – ein Gedicht von John Heath-Stubbs (1988)
http://www.poetryarchive.org/poem/mulberry-tree

 

„Mullberry Fields“ – ein Gedicht von Lucille Clifton (2004)
http://www.youtube.com/watch?v=0UnLStD-pYk

Musik:

In England gibt es ein traditionelles Kinderlied namens „Here we go around the Mulberry bush“, welches Kindern seit 1840 in verschiedenen Versionen erklärt, wie man sich unter anderem die Zähne putzt und die Schuhe bindet. Das Lied beginnt und endet dabei immer mit folgendem Vers:

Here we go round the mulberry bush,
The mulberry bush,
The mulberry bush.
Here we go round the mulberry bush
So early in the morning.

Die verschiedensten Versionen können auf Youtube gefunden werden.

Kunst:

„Maulbeerbaum“ von Vincent van Gogh (ca. 1889)

„Skulptur für einen Baum“ von Claus Simon vor dem Schwarzen Maulbeerbaum im Immanuel-Kant-Park in Anlehnung an diesen.

Film:

„Le Mûrier Noir“ von Gabriel Razmadze (2012) handelt von zwei jungen Erwachsenen, die in Georgien eine Reise fern ab von ihrem alltäglichen Leben und ihren Ansichten machen. Zusammen genießen sie die Zeit, essen Maulbeeren und wissen, dass wenn sie in ihr Leben zurückkehren, es nie wieder so sein wird wie auf dieser Reise.

Mode:

Mulberry ist eine englische Luxus-Marke, die vor allem Lederwaren herstellt. Die Firma wurde von Roger Saul im Jahre 1971 gegründet, der die Marke nach dem Maulbeerbaum auf seinem Schulhof benannte.

 

Quellen:

Zellner, Anita: ADAC Naturführer: Bäume und Sträucher einfach und sicher bestimmen, München 2006.

Kress, Henriette (o. J.), in: Morus Nigra. Schwarzer Maulbeerbaum. Moraceae,
URL: http://www.henriettes-herb.com (Stand: 24.05.2014).

Seelert, Sylvia (o. J.), in: China – Der Bogenschütze Yi, URL: http://www.mythentor.de/osten/china11.htm (Stand: 25.05.2014).

Verfasser unbekannt (2014) in: Pyramus und Thisbe,
URL: http://de.wikipedia.org (Stand: 25.05.2014).

Kreativinhalt:

Des Baumes Leben

Es stand in alten Zeiten ein Baum mit roten Beeren,
umringt von Mensch und Volk ließ er sich die Geschichte lehren.
Schon seit vielen Jahren verweilt er so an Stell‘ und Ort,
und lauschet seit jeher jedes Menschen Wort.

So gab es einst jung und hoffnungsvoll ein Liebespaar,
welches sich unter des Baumes Krone schwor ewige Gewahr.
Zusammen zeugten sie Kinder, erlebten Freud und Leid,
verspürten Sehnsucht zueinander und genossen ihre Lebenszeit.

Doch nicht nur Liebespaare sah der Baum entgegen.
Es frohlockten in seines grünen Schattens Segen
eine Schar von Kindern, welche ganz genüsslich
die prallen Früchte aßen, rot und süßlich.

Aber nicht nur Glück und Freude waren dem Baum bekannt.
So erlebte er zuweilen des Krieges zerstörerische Schand‘.
Er sah Familien brechen, Menschen bluten und Völker sterben.
Und alles was hinterlassen wurde, war Gräuel und Verderben.

Was die Menschen auch tun, der Baum war ihr Zeuge.
Es gab ihn damals und es gibt ihn heute.
So wird er sein Lebtag behalten des Menschen Märe,
gestatten, des Baumes Name ist die Schwarze Maulbeere.