15. Südlicher Zürgelbaum

Deutscher Name:

Südlicher Zürgelbaum

Botanischer Name:

Celtis australis
Linne, 1753

Alternative Namen:

Südlicher Nesselbaum

Fremdländische Namen:

European Nettle Tree

Mediterranean Hackberry

Lote Tree

Familie:          

Hanfgewächse
(Cannabaceae)        

Standort im Park:   

N 51.43045°, E 6.76865°

Etymologie:            

Celtis = lat. celthis, celtis, ein in Afrika vorkommendes auch lotus genanntes Gewächs

Australis = lat. südlich

Verbreitung:

Im gesamten Mittelmeerraum. Von der Iberischen Halbinsel, Frankreich, Italien, Balkanhalbinsel, Rumänien, asiatische Türkei, Kaukasus, Madeira, NW-Afrika, Libyen.

Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften als Park- und Allee-Baum ist der Südliche Zürgelbaum weit über seinen natürlichen Lebensraum in Europäischen Städten als Park- und Straßenbaum verbreitet worden.

Lebensraum:

Offenland und Trockenwälder, felsige Hanglagen.

 

Biologie:

Habitus:

Sommergrüner Baum, 10 bis 25 Meter hoch mit ausladender, lockerer Krone. Im Freistand kugelförmig ausladend.

Wurzel:

Intensivwurzler, in der Jugend Ausbildung eines Herzwurzelsystems, welches im Laufe zunehmenden Alters durch Senker ergänzt wird. Flachstreichende Wurzeln bilden Wurzelbrut aus.

Stamm:

Kurzstämmig, vollholzig, am Stammfuß mit Längskehlen.

Rinde/Borke:

Jungtriebe behaart, später verkahlend. Rinde grau und glatt, an Rotbuche erinnernd, fein längsrissig mit rundlichen Lentizellen und typischen Querlinien. An den Astansätzen gestauchte Rinde. Mit zunehmendem Alter setzt eine Verborkung im unteren Stammteil ein. 

Astwerk:

Astwinkel zwischen 55° und 60°, Zweigachsen mit leichtem Zickzack-Verlauf. Vor allem jüngere Äste sind hochelastisch.

Knospen:

Eiförmig, an den Spitzen eingebogen, rötlich-braun, dem Zweig flach anliegend.

Blätter:

Elliptisch-länglich. Oberseite dunkelgrün mit rauen Stachelhaaren, Unterseite grüngrau, weich behaart. Vielgestaltig hinsichtlich Größe, Form und Blattrand. Typisch die verlängerten, leicht verdrehten Blattspitzen. Blattrand gesägt bis doppelt gesägt.

Blüte:

Einhäusig verteilt, überwiegend zwittrig, unauffällig, außen bräunlich, innen weißlichgrün. Blütezeit März/April immer an diesjährigen Trieben.

Früchte:

Die bis 12 mm Durchmesser, einsamigen Steinfrüchte sind runde Kirschen, die sogenannten Zürgeln. In ihrem Reifungsprozess wechselt die Farbe von grün, dann gelb und im September/Oktober violettbraun bis fast schwarz. Das Fruchtfleisch ist genießbar, schmeckt jedoch süßlich fad. Die Zürgeln werden gerne von Vögeln als Winternahrung verzehrt, wobei die Steinkerne ausgeschieden werden (Vogelverbreitung). 

Alter:

Der Südliche Zürgelbaum kann mehrere hundert Jahre alt werden.

Besonderheiten:

Standort:

Bevorzugt werden tiefgründige, nicht zu feuchte, sandige, neutrale oder kalkhaltige Böden.

Eigenschaften:

Lichtbaumart. Langsam wachsend, wärmeliebend, Trockenheit ertragend, gebietsweise frostempfindlich. Das Holz besitzt, ähnlich der Esche eine sehr hohe Elastizität und ist dabei sehr fest und dauerhaft. Gute Stockausschlagfähigkeit. 

Verwendung:

In Südtirol zählen die Zürgeln zu Delikatessen und werden für Backwaren und Süßspeisen verwendet. Als sogenanntes „Triester Holz“, bietet das harte, hochelastische und zähe Holz zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten. Es wird in der Möbelindustrie, in der Kunsttischlerei, Holzbildhauerei, für Drechslerarbeiten und zur Herstellung von Musikinstrumenten verwendet. Aus den aus Stockausschlägen gewonnenen Triebe wurden Holzgabeln, Stöcke, Reitgerten und vor allem Peitschenstiele hergestellt. Berühmt sind die Peitschen von Perpignan, Piemont und die Tiroler Geißenstöcke.

 

Kulturgeschichte:

Aufgrund seiner hervorragenden Holzeigenschaften fand der südliche Zürgelbaum schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte ein vielfache Verwendung. So reicht die kulturelle Geschichte des „Triester Holzes“ bis in die Steinzeit. Der lebenswichtige Einsatz von Holzarten zum Bau von Werkzeugen, Waffen und Gerätschaften erforderte schon damals eine genaue Kenntnis von Holzeigenschaften und deren Haltbarkeit.

 

Literatur:

Eine Textstelle in der Novelle „Die Freiherrn von Gemperlein“ von Marie von Ebner-Eschenbach, deutet auf seine Beliebtheit als exklusiver Parkbaum hin.

http://www.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/ebner_eschenbach/gemperlein/gemperlein.pdf

 

Mythologie:

Nach antiken Überlieferungen soll es sich bei dem Zürgelbaum um den in Nordafrika wachsenden Lotosbaum handeln. Nach Homer geriet Odysseus mit seinen Leuten in das sogenannte Land der Lotophagen (Lotosesser). Der Verzehr der Früchte war so köstlich, dass die, die sie gekostet haben, Familie und Heimat vergessen ließ.  

 

Quellen:

Mitchell, A.: Die Wald- und Parkbäume Europas; Verlag Paul Parey (o.J.)
Phillips, R.: Der große Kosmos-Naturführer Bäume; Kosmos-Verlag (o.J.)
Pirc, H.: Bäume von A - Z; Ulmer-Verlag (o.J.)
Roloff, A. & Bärtels, A.: Flora der Gehölze; Ulmer-Verlag(o.J.)
The Royal Horticultual Society: DuMont's große Pflanzen-Enzyklopädie (o.J.)

Baumschulen Gebr. Van den Berk B.V. (o. J.), in: Vdberk Baumschule: Südlicher Zürgelbaum
URL: http://www.vdberk.de (Stand: 27.06.2014 )